Wortartenkunde

Wechselpräpositionen und Co: Warum Präpositionen das Sprachenlernen so schwer machen

In, an, auf, zu, bei – diese kleinen Wörter können einem das Leben ganz schön vermiesen, wenn man sie mühsam erlernen muss. In, an, auf, zu und bei sind Präpositionen. Sie erschweren das Sprachenlernen nicht nur im Deutschen, sondern auch in anderen Sprachen, aber im Deutschen haben sie ein paar ganz besondere Gemeinheiten auf Lager. Warum das so ist, schauen wir uns heute an.

Was sind nochmal Präpositionen?

Erst einmal die Erinnerung auffrischen: Präpositionen sind recht kurze Wörter wie in, an, auf. Sie sind nicht flektierbar (ändern ihre Form also nicht) und ziehen einen Kasus nach sich: ich stehe in dem Haus. Hier zieht in den Dativ (dem Haus) nach sich. Wer mehr wissen möchte, schaut am besten einfach mal in unseren Blogpost zu Präpositionen. Wir starten jetzt mit den Problemen, die Präpositionen bereiten.

Problem 1: Welche Präposition soll ich verwenden?

Man hat ganz schön viel Auswahl, wenn es um Präpositionen geht: in, an, auf, zu, bei und noch einige mehr sind theoretisch möglich. Präpositionen drücken eine Beziehung von zwei Dingen zueinander aus: auf wird verwendet, wenn Dinge übereinander liegen (Das Buch liegt auf dem Tisch). Bei in befindet sich etwas in einer anderen Sache (Das Buch liegt in der Box) und so weiter. Aber trotzdem ist die Wahl der Präposition nicht so einfach, Nicht-Muttersprachler_innen machen dabei deswegen oft Fehler. Das ist übrigens nicht nur beim Deutschlernen, sondern auch beim Lernen von anderen Sprachen so: Präpositionen erschließen sich einem nicht so einfach.

Das liegt daran, dass man mit der Beziehung zwischen zwei Dingen nicht immer weiterkommt. Bei ich stehe auf der Leiter ist gut erklärbar, warum ich auf sage und keine andere Präposition verwende. Aber bei ich hoffe auf gutes Wetter ist überhaupt nicht klar, warum auf genutzt wird. Wir könnten auch ich hoffe zu gutes Wetter sagen oder bei, aber wir sagen halt auf. Hierbei handelt es sich übrigens um eine spezielle Verwendung der Präposition, weil sie als Objekt genutzt wird (Worauf hoffe ich?). Auf ist also einfach fest mit dem Verb hoffen verbunden. Und nicht nur hoffen funktioniert so, es gibt noch viel mehr Verben, die ein Präpositionalobjekt fordern: für etwas stimmen, sich über etwas aufregen, sich mit etwas beschäftigen. Welches Verb welche Präposition mag, muss man einfach wissen.

Aber es muss gar kein Präpositionalobjekt im Spiel sein, damit die Wahl der Präposition völlig willkürlich erscheint. Es reicht schon, wenn man abstrakte Wörter nutzt: in/mit Bezug auf, zum Beispiel, zur Info. Warum in, warum mit, warum zu? Es ist einfach so. Aber nicht nur das Deutsche ist da gemein, sondern auch andere Sprachen: Im Englischen musste ich mir lange antrainieren,dass es with respect to und nicht in respect to heißt…

Es gibt noch einen Grund, warum das mit den Präpositionen so schwer ist: Verschiedene Sprachen konzeptualisieren Situationen unterschiedlich. Die Beziehung zwischen zwei Dingen mag also gleich sein, aber sie wird unterschiedlich angewendet. Das wird mit einem Beispiel klar: Im Deutschen spaziert man im Regen. Im Französischen aber unter dem Regen (sous la pluie). Wie kommt das? Im Deutschen stellt man sich Regen wie eine Art Behälter vor, in dem man sich befindet, wenn man im Regen nach Hause läuft. Im Französischen dagegen ist der Regen etwas über einem, denn er kommt ja herunter geregnet. Jemand mit Deutsch als Muttersprache kann also im Französischen leicht dans la pluie sagen, jemand mit Französisch als Muttersprache kann im Deutschen leicht unter dem Regen sagen.

Präpositionen sind also schon mal ein Problem an sich, wenn es ums Sprachenlernen geht. Und dann sind es auch noch häufige Wörter, man hat also auch oft die Gelegenheit, Fehler zu machen! Aber Deutsch wäre nicht Deutsch, wenn es nicht noch ein paar andere Schwierigkeiten bei Präpositionen vorgesehen hätte.

Problem 2: Kasus und Wechselpräpositionen

Die größte Gemeinheit ist natürlich, dass Präpositionen im Deutschen unterschiedliche Kasus nach sich ziehen. Und man muss einfach wissen, welcher jetzt gerade gebraucht wird. Bei steht mit Dativ, aber durch mit Akkusativ. Das muss man einfach lernen. Das alleine ist ja schon gemein genug, aber natürlich noch nicht alles. Es gibt im Deutschen nämlich auch Wechselpräpositionen. Das sind Präpositionen, die je nach Kontext mit Dativ oder mit Akkusativ stehen, den Kasus also sozusagen wechseln können. Dabei kommt es darauf an, ob man einen Ort oder eine Richtung meint.

Ich jogge in dem Park -> Ort

Ich jogge in den Park -> Richtung

In Satz 1 bin ich schon im Park, in Satz 2 jogge ich erst dorthin. Das alles sieht man nur am Kasus: Steht in mit Dativ, ist der Ort gemeint (ich bin schon im Park), steht in mit Akkusativ, ist die Richtung gemeint (ich bewege mich erst dorthin). Das Ganze macht nicht nur in, sondern auch an, auf, über, unten und zwischen.

Es gibt übrigens zahlreiche Merksprüche für Deutschlernende, um das mit dem Kasus und den Präpositionen irgendwie zu vermitteln. Aber ob „Mit, nach, von, seit, aus, zu, bei – verlangen stets Fall Nummer drei.“ einem da wirklich weiterhilft, weiß ich auch nicht.

Problem 3: Klisen

Klisen sind Verschmelzungen zwischen Wörtern: zum ist zum Beispiel eine Klise aus zu und dem. Klisen entstehen, wenn Wörter oft zusammen vorkommen. Dann werden sie als eine Einheit wahrgenommen und irgendwann einfach verschmolzen. Das macht die Sache für Deutschlernende aber nicht gerade einfacher: Man muss nicht nur wissen, dass zu mit Dativ steht, sondern auch, dass man manchmal zu dem sagt und manchmal zum. Und mal wieder ist zu nicht die einzige Präposition, die sich Klisen gönnt. Das können auch an, bei, auf und unter ganz gut.

Das alles wäre nicht so schlimm, wenn man zum und zu dem einfach nach Lust und Laune verwenden könnte. Das ist aber nicht so. Meistens nutzen die verschmolzenen Formen. Nur in bestimmten Fällen machen wir das nicht, etwa bei: Ich gehe zu dem Park, von dem du neulich geschwärmt hast. Hier geht zum Park nicht, weil dem Park einen ganz bestimmter Park meint. Man könnte statt dem Park hier auch diesem Park sagen. Wenn ich dagegen zum Park sage, ist einfach ein Park gemeint, von dem ich davon ausgehe, dass mein Gegenüber ihn auch kennt, aber ich hebe ihn nicht extra hervor.

Problem 4: Kasus reloaded bei Sekundärpräpositionen

Schon wieder Kasus und schon wieder ein neues Wort! Sekundärpräpositionen sind Präpositionen, die noch nicht so lange Präpositionen sind, sondern eigentlich mal anderen Wortarten angehörten oder mal eigenständige Wortgruppen waren, zum Beispiel dank und aufgrund. Hier sieht man noch ganz schön, dass ursprünglich mal der Dank gemeint war und dass auf und Grund ursprünglich als Wortgruppe verwendet und irgendwann als eine Einheit angesehen wurden. Der Prozess bei aufgrund ist ganz ähnlich wie bei der Klise, die ich oben beschrieben habe. Sekundärpräpositionen waren also mal was anderes und sind daher nur sekundär und nicht primär. Primärpräpositionen sind dagegen ganz alte Präpositionen wie in, an und auf, um die ging es oben schon ganz viel.

Das Problem mit den Sekundärpräpositionen: Sie können sich oft nicht entscheiden, welchen Kasus sie nach sich ziehen wollen. Das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist wegen, das mit Dativ und Genitiv stehen kann (wegen dem Wetter/wegen des Wetters – auch wenn der Dativ selbsternannten Sprachpfleger_innen so gar nicht in den Kram passt). Aber es gibt noch viel mehr Präpositionen, die zwischen Dativ und Genitiv schwanken, zum Beispiel dank und während (dank dem Wetter/dank des Wetters, während dem Gewitter/während des Gewitters). Diese Schwankungen sind nicht mit den Wechselpräpositionen von oben zu verwechseln. Bei den Wechselpräpositionen ist ja klar geregelt, wann Dativ und wann Akkusativ kommt, bei den Sekundärpräpositionen sind dagegen immer beide Formen möglich. Den Kasusschwankungen bei Sekundärpräpositionen werden wir noch eine eigene Zwiebel widmen. Wer sich jetzt aber Sorgen um den Genitiv macht, der kann sich diese Zwiebel zum Genitiv und dazu, warum viele Deutsche ihn so toll finden durchlesen und ganz generell kann ich hier schon mal beruhigen: Der Genitiv nimmt bei Sekundärpräpositinen sogar zu, nicht ab.

Wir sehen also: Kleine Wörter – große Probleme! Fallen euch nur mehr Tücken bei Präpositionen ein? Lasst es uns gerne in den Kommentaren oder bei Twitter wissen.

Zum Weiterlesen:

Pittner, Karin/Berman, Judith (2010): Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr.

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