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Podcasts: Folge 4

Es ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition geworden, dass ich einmal im Jahr etwas über Podcasts schreibe, die ich im letzten Jahr entdeckt habe. Die ersten drei dieser Posts könnt ihr hier und hier und hier nachlesen.

Seit der letzten Bestandsaufnahme sind besonders viele neue Podcasts über Sprache und Linguistik erschienen. Es ist für jeden was dabei: Wortherkunft, True Crime, Sprachgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Wörterbücher, Variation und Diskriminierung. Hört mal rein und sagt uns Bescheid, welche Podcasts euch besonders gut gefallen!

Tiemanns Wortgeflecht
Kurz und bündig erklärt der Kabarettist Christoph Tiemann jede Woche bei WDR 5 die Herkunft von Redewendungen und Wörtern. Jede Folge besteht aus einer kurzen Geschichte, die nicht nur informieren, sondern auch unterhalten soll. Dank vieler Soundeffekte klingt jede einzelne Folge von Tiemanns Wortgeflecht fast wie ein kleines Hörspiel.
Link: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/tiemanns-wortgeflecht/index.html
Twitter: /
Dauer: 5 Minuten
Erscheint jeden Freitag.

True Crime – Die Sprache des Verbrechens
True Crime – Die Sprache des Verbrechens war ein weiterer Sprachenpodcast des öffentlich rechtlichen Rundfunks, der nach neun Folgen eingestellt wurde. Dort sprachen Ex-Geheimagent Leo Martin und Sprachprofiler Patrick Rottler mit Moderator Sebastian Winkler über forensische Linguistik. Sie erzählten von Verbrechen, für deren Aufklärung Sprache relevant war. Insgesamt lag der Fokus dabei eher auf True Crime als auf Linguistik. Ein Beispiel dafür ist die Folge „Krümelmonsters Keksklau“: In der Folge geht es darum, dass vor ein paar Jahren jemand den goldenen Keks der Firma Leibniz geklaut und Erpresserbriefe geschrieben hat. Der Fokus der Episode liegt darauf, wie Erpresserbriefe insgesamt aufgebaut sind und weniger um spezifische sprachliche Besonderheiten, die bei der Aufklärung des Fall geholfen hätten (Der Keks wurde am Ende zurückgegeben, abre die Täter_innen wurden nie gefasst). Der Podcast könnte also gut etwas für True-Crime-Fans sein und nicht für Hardcore Linguistikfans.
Link: https://www.br.de/mediathek/podcast/true-crime-die-sprache-des-verbrechens/838
Twitter: /
Dauer: 20–25 Minuten
Abgeschlossen.

The Black Language Podcast
Dieser Podcast von Anansa Benbow beschäftigt sich mit dem Sprachgebrauch Schwarzer Amerikaner_innen in allen Facetten. Bisher gibt es erst ein paar Episoden, aber die sind sehr interessant. In einer Folge spricht Benbow darüber, wie Weiße versuchen, die Sprache Schwarzer Menschen zu imitieren und zeigt auf, warum sie an welchen Stellen scheitern. Damit verbunden geht es auch darum, wie unterschiedlich sprachliche Normabweichungen wie die Verwendung von ain’t bei Schwarzen und Weißen bewertet werden. Um Rassismus kommt man bei solchen Themen natürlich auch nicht herum. 
Link: https://blacklangpod.buzzsprout.com/
Twitter: https://twitter.com/BlackLangPod
Dauer: ca. eine halbe Stunde
Erscheint in unregelmäßigen Abständen.

Science Diction
Der Podcast, der von Johanna Mayer gehostet wird, beschäftigt sich mit der Herkunft von alltäglichen Wörtern. Dabei geht es nicht nur um die Etymologie, sondern auch um die Geschichten, die damit verbunden sind. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das Mineral Kobalt nicht nur zufällig so ähnlich klingt wie Kobold? Und in der Folge zu Umami geht es nicht nur um die Herkunft des Wortes, sondern auch darum, wie der fünfte Geschmack entdeckt wurde und um das sog. Chinese Restaurant Syndrome. Die erste Staffel beschäftigt sich mit Wörtern aus dem wissenschaftlichen Bereich, während es in der zweiten um mit Essen verbundene Wörter geht.
Link: https://www.npr.org/podcasts/813012842/science-diction
Twitter: /
Dauer: ca. 15 Minuten
Erscheint wöchentlich, die zweite Staffel wurde gerade beendet. 

Lexis Podcast
In diesem Podcsat diskutieren die Hosts Matthew Butler, Lisa Casey, Dan Clayton und Jacky Glancey sehr verschiedene Facetten von Sprache und Linguistik. Dabei nehmen sie oft aktuelle Diskussionen über Sprache aus den Medien auf, vor allem solche, die für Großbritannien relevant sind. Jede Folge enthält auch ein Interview mit einem_einer Linguist_in. Besonders gut gefallen hat mir die Episode, in der Kelly Wright von ihrer Forschung erzählt. Sie analysiert, wie unterschiedlich in den Medien über Schwarze und weiße Sportler_innen gesprochen wird. Eines ihrer Ergebnisse ist, dass bei weißen Sportler_innen häufig deren Fähigkeiten im Vordergrund stehen, während bei Schwarzen Sportler_innen der Fokus auf ihrem Körperbau liegt. Was man daraus über Diskriminierung lernen kann, erklärt sie in der Folge sehr anschaulich.
Link: https://anchor.fm/lexispodcast
Twitter: https://twitter.com/LexisPodcast
Dauer: variiert zwischen 30 und 60 Minuten
Erscheint wöchentlich. Gerade hat die zweite Staffel begonnen.

Unstandardized English
In diesem Podcast von JPB Gerald geht es um Sprache, Diskrimierung und das Schulsystem. Unstandardized English ist als Corona-Projekt des Hosts gestartet und den frühen Folgen merkt man dies teils an. Die Audioqualität und der Aufbau wirken manchmal noch etwas unausgegoren, aber der Inhalt ist immer interessant. Viele Folgen bestehen aus Interviews mit Linguist_innen oder Sprachlehrkräften. Dadurch wird der Fokus darauf gelenkt, wie sprachwissenschaftliches Wissen konkret angewendet werden kann und wie linguistische Diskriminierung im Alltag aussieht.
Link: https://anchor.fm/unstandardized
Twitter: https://twitter.com/UnstandardizedE
Dauer: unterschiedlich, aber meistens ca. eine Stunde
Erscheint aktuell alle zwei Wochen.

Word Matters
Word Matters ist der neue Podcast des US-amerikanischen Wörterbuchs Merriam-Webster. Emily Brewster, Neil Serven, Ammon Shea und Peter Sokolowski arbeiten alle dort und besprechen verschiedene Themen aus ihrem Arbeitsalltag, die für ein breites Publikum interessant sind. Sie diskutieren über Sprachvariation, die Herkunft und Verwendung verschiedener Wörter und vieles mehr. Dass sie dabei immer aus der Perspektive von Leuten sprechen, die an einem der einflussreichsten Wörterbücher der Welt arbeiten, gibt vor allem Diskussionen über Sprachwandel einen interessanten Dreh.  
Link: https://digital.nepr.net/podcasthub/word-matters/
Twitter: https://twitter.com/MerriamWebster
Dauer: schwankend zwischen 10 und 25 Minuten
Erscheint wöchentlich.

History and Philosophy of the Language Sciences
Bei diesem Podcast bekommt man genau das, was der Titel verspricht: Es geht um die Geschichte der Sprachwissenschaft. Der Linguist James McElvenny führt sein Publikum durch eine Art Vorlesung über die (europäischen) Linguistik als Wissenschaft von den Anfängen bis heute. Neben Folgen über Jacob Grimm und Wilhelm von Humboldt gibt es auch Interviews zu Themen wie Grammatikschreibung von Missionar_innen in Australien. Der Podcast ist eine gute Gelegenheit, Einführungswissen über die Geschichte der Sprachwissenschaft aufzufrischen oder sich darüber zu informieren, wie die Linguistik das wurde, was sie heute ist.
Link: https://hiphilangsci.net/category/podcast/
Twitter: https://twitter.com/hiphilangsci/
Dauer: 20–30 Minuten
Erscheint am Monatsende.

Why Is English?
In diesem Podcast geht es darum, wie sich die englische Sprache zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Sprachgeschichte wird dabei immer mit dem aktuellen Sprachgebrauch verknüpft. In der Folge über Apostrophe erklärt Host Laura Brandt nicht nur, wie sich das Zeichen entwickelt hat und für welche Zwecke es im Laufe der Zeit eingesetzt wurde, sondern spricht auch über den Diskurs über die vermeintlich „falsche“ Verwendung des Apostrophs. Mit erst drei Folgen ist Why is English? noch ein ziemlich neuer Podcast, aber das hört man ihm kaum an.
Link: https://anchor.fm/whyisenglish/
Twitter: https://twitter.com/whyisenglish
Dauer: 20-30 Minuten
Erscheint monatlich.

Se Ve Se Escucha
Se Ve Se Escucha ist ein Podcast des Center for Participatory Change. Das Team um Ada Volkmer, Leonel Gutierrez, Manuel de la Luz und Andrea Golden beschäftigt sich mit sprachlicher Gerechtigkeit im Süden der USA. Im Vordergrund stehen dabei Übersetzung, Dolmetschen und Mehrsprachigkeit sowie Möglichkeiten der politischen Partizipation und verschiedene Community-Projekte. Insbesondere geht es um das Verhältnis von Englisch und Spanisch. Dass viele Episoden neben Englisch auch eine Mischung weiterer Sprachen enthalten, ist deshalb nur wenig überraschend.
Link: https://www.seveseescucha.com/episodes
Twitter: https://twitter.com/svsepodcast
Dauer: ca. 30 Minuten
Die dritte Staffel hat gerade begonnen. Folgen erscheinen wöchentlich.
Se Ve Se Escucha stellt kostenlose Transkripte zur Verfügung.

Wie immer kann man all diese Podcasts komplett kostenlos bei einer Vielzahl von Podcast-Apps anhören. Unstandardized English hat außerdem einen Patreon, über den man den Podcast mit Geld unterstützen kann. Lasst uns wissen, welche Sprachenpodcasts wir vergessen haben!

3 Kommentare zu „Podcasts: Folge 4

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