Wortgeschichte

Woher die deutschen Namen für fremdes Gemüse kommen – Gemüsegeschichten III

Heute gibt es für euch eine frische Ladung Gemüse-Etymologie! In dieser dritten Ausgabe der Gemüsegeschichten (hier geht’s zu Teil 1 und 2) schauen wir uns zunächst die sprachliche Herkunft der Kürbisgewächse genauer an und arbeiten uns dann zu Paprika, Bohne und Mais vor. An diesen Gemüsesorten kann man sehr schön sehen, dass sie und ihre Namen teilweise einen ganz schön langen Weg bis in unsere Sprache und unsere Mägen zurückgelegt haben.

Fangen wir direkt mit dem Kürbis an. Wenn wir das Wort hören, dann haben wir wohl meistens einen runden, orangen Kürbis vor Augen. Im Mittelalter war Kürbis aber zunächst ein Name für andere Kürbisgewächse, vor allem für den Flaschenkürbis, der eher länglich ist und viele unterschiedliche Farben haben kann. Das Wort selbst gibt es schon seit dem 9. Jahrhundert (kurbiʒ). Es ist (wie so viele Gemüsebezeichnungen) eine Entlehnung und kommt von dem lateinischen cucurbita, was ‘Flaschenkürbis, Schröpfkopf’ bedeutete. Interessanter als diese ziemlich klare Wortherkunft ist die Vielzahl an Varianten, die seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch waren: Unter anderem kann man die Schreibweisen Kurbiß, Kürbiz, Korbes, Kirbiß, Kurwes, Kürbs, Kurbs und Kürbsen finden, die auch in ihrem grammatischen Geschlecht nicht einheitlich sind:  So hieß es zum Beispiel die Kürbse, aber der Kürbs.

Die Verwandtschaft mit dem Kürbis trägt die Zucchini sehr deutlich in ihrem Namen – zumindest für alle, die Italienisch können. Zucchini ist eine Verkleinerungsform von zucca, was ‚Speisekürbis, Flaschenkürbis‘ heißt. Eine Zucchini ist damit ein Kürbischen, auch wenn sie mit anderen Kürbisgewächsen in Bezug auf ihre Größe definitiv mithalten kann.

Bei der Gurke gestaltet sich die Wortgeschichte ein bisschen komplizierter. Als wahrlich kosmopolitisches Gemüse ist die Gurke ursprünglich im nördlichen Ostindien zu Hause. Das deutsche Wort wurde um 1500 aus dem Polnischen entlehnt, wo das Gemüse ogórek genannt wird. Die altpolnische Bezeichnung ogurek wiederum kommt von dem mittelgriechischen Wort angūrion (ἀγγούριον). Das ist die Verkleinerungsform von einem Adjektiv, das ‚grün, unreif, unzeitig‘ bedeutet. Die Gurke wurde also vermutlich wegen ihrer grünen Farbe für unreif gehalten.

Das führt uns zu der Paprika, bei der man den Reifegrad ja tatsächlich an der Farbe ablesen kann. Obwohl das Gemüse aus Südamerika zu uns gekommen ist, kommt sein Name aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort piper ist in zwei etwas unterschiedlichen Bedeutungen in das Deutsche entlehnt worden und stammt selbst von einem altindischen Wort ab, das ‚Beere, Pfefferkorn‘ bedeutet. Im 8. Jahrhundert kommt piper als pfeffar ins Deutsche und bezeichnet den Pfeffer. Paprika ist hingegen erst seit dem 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum belegt – viel eher gab es das Gemüse hierzulande auch noch nicht. Bei dieser zweiten Reise des lateinischen Worts piper ist der Weg etwas länger: Es wird zunächst mit der Bedeutung ‚Pfeffer‘ in das Serbokroatische entlehnt. Dort entwickelt sich die Bedeutung zu ‚Paprika‘. Wohl über das Ungarische gelangen dann schließlich Gemüse und Wort in den deutschen Sprachraum. Diese doppelte Entlehnung haben auch andere Sprachen durchgemacht: Im Englischen bezeichnet das Wort pepper zum Beispiel auch heute noch sowohl den Pfeffer als auch die Paprika und im Spanischen benutzt man pimiento mit beiden Bedeutungen.

Kommen wir nun zur Abwechslung zu einem einheimischen Gewächs, der Bohne. Ihre Wortherkunft ist nicht genau geklärt: Das Wort ist zwar ausnahmsweise nicht entlehnt, aber es kommen zwei Ursprungswörter in Frage. Zum einen wäre da das germanische Wort *ƀaunō, das auf indoeuropäisch *bhabhā zurückgeht und soviel wie ‘Schwellung, aufgeblasene Schote’ bedeutet. Es gibt aber auch Argumente dafür, dass eigentlich die indoeuropäische Wurzel *b(e)u-, *bh(e)u-, *b(h)ū- zugrunde liegt, die ‘aufblasen, schwellen’ bedeutet. Dann wäre Bohne mit Beule verwandt. Das heißt also im Prinzip, dass es eigentlich egal ist, auf welche dieser beiden Ursprungswörter Bohne nun zurückgeht, weil beide ungefähr das Gleiche bedeuten. Belegt ist bōna seit dem 8. Jahrhundert und bezeichnet damals noch Saubohnen. Die heute verbreitetere Stangenbohne ist erst später aus Amerika zu uns gekommen.

Auch der Mais ist ein Einwanderer aus Zentralamerika, genauer gesagt Haiti. In der dort verbreiteten Sprache Taino hießt er früher mahís. Kolumbus hat den Mais dann mit nach Europa gebracht, wo er sich unter seinem spanischen Namen maíz verbreitet hat. Daneben waren auch die Bezeichnungen Welschkorn, Türkischer Weizen und Türkisch Korn verbreitet. Sie verweisen auf die Herkunft des Gemüses: Welsch ist ein altes Wort für ‚fremd‘, womit der Mais einfach fremdes Korn wäre. Für alle, die sich jetzt fragen, was der Mais denn mit der Türkei zu tun hat, hat das Etymologische Wörterbuch von Kluge eine Erklärung parat: Im Englischen nannte man den Mais auch Indian corn, also quasi indisches Korn. Damit war aber nicht indisch im heutigen Sinne gemeint, sondern indianisch bzw. westindisch, was früher eine Bezeichnung für Amerika war. Durch dieses Missverständnis kam es dazu, dass der Mais in Deutschland mit Indien assoziiert wurde und weil türkisch in der Frühen Neuzeit als Bezeichnung für den gesamten mittleren Osten verwendet wurde, kam es zu Bezeichnungen wie Türkisch Korn und Türkisch Weizen.

Das war es für heute mit den Gemüsegeschichten. Wenn ihr noch etymologische Wünsche habt, lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Zum Weiterlesen:

Eintrag für Kürbis im DWDS: https://www.dwds.de/wb/K%C3%BCrbis. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für Zucchini bei etymonline.org: https://www.etymonline.com/word/zucchini#etymonline_v_5050. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für Gurke im DWDS: https://www.dwds.de/wb/Gurke. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für Paprika im DWDS: https://www.dwds.de/wb/Paprika. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für Beule im DWDS: https://www.dwds.de/wb/Beule. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für Mais im DWDS: https://www.dwds.de/wb/Mais. Gesehen am 30.06.2019.

Eintrag für welsch im Duden Online: https://www.duden.de/rechtschreibung/welsch. Gesehen am 30.06.2019.

 

2 Kommentare zu „Woher die deutschen Namen für fremdes Gemüse kommen – Gemüsegeschichten III

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